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Bahnhof Meppen Rückseite mit Bahnsteig

Bahnhof Meppen
Orig. Bild 2 bearbeitet

Studie - Teil 6

Statistische Auswertung

Weil drei der neun 1939 in Betrieb genommenen Kriegsgefangenenlager in den damaligen Emslandkreisen über den Bahnhof Meppen zu erreichen waren, darf man annehmen, dass auch jeder dritte Gefangene hier angekommen ist und bei größeren Verlegungen von hier per Bahn abtransportiert wurde. Ein weiteres Drittel erreichte über die Bentheimer Eisenbahn Bathorn und wurde von dort weiter verteilt, das letzte Drittel verteilte sich auf die Bahnhöfe Lingen, Geeste und Lathen. Nach dem bereits erwähnten Ausfall des Bahnhofs Geeste dürfte der Anteil ab 1941, also bereits vor Beginn des Balkanfeldzugs etwas mehr als ein Drittel betragen haben.

Martin Koers beziffert die Gesamtzahl auf „weit mehr als 100.000 Kriegsgefangene“. Daraus lässt sich ableiten, dass mindestens 33.000 Gefangene in Meppen mit der Bahn ankamen und von hier per Bahntransport in andere Lager verlegt wurden. Auf der Basis der aktuell bekannten Belegungsstatistiken der Lager kann man versuchen, diese Zahl genauer zu fassen. Tatsächlich ergibt sich daraus eine Zahl von knapp über 33.000, wobei man berücksichtigen muss, dass die Statistiken unvollständig sind. Rechnet man die etwa 4.300 niederländischen Kriegsgefangenen hinzu, die von Meppen in andere Lager transportiert worden sind, dann ergibt sich eine Zahl von über 37.300 Kriegsgefangenen, zu denen mehr als 2.100 Konzentrationslagerhäftlinge hinzuzurechnen sind.  30 

Somit liegt die Zahl wohl eher bei 40.000 Gefangenen und Häftlingen, die am Bahnhof in Meppen ankamen oder von hier mit Zügen abtransportiert worden sind. Hinzu kommen die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die vom Bahnhof aus auf ihre Arbeitsstellen verteilt wurden.

In der Stadt Meppen befanden sich mindestens vier sogenannter Ausländerlager: das städtische Kriegsgefangenenlager am Schullendamm, das Kriegsgefangenenlager der Firma F. W. Mertens, das Arbeitslager der Wasserbauverwaltung, und das ‚Handwerkerlager‘ der Firma Rose K. G.,

zählt Andreas Lembeck auf. Zumindest in den ersten Jahren des Krieges wurden darüber hinaus noch Gefangene im Lager „Kossentanne“ beim Bau des Seitenkanals Gleesen- Papenburg in Meppen eingesetzt.  31 

Kolonne Moorsoldaten

Aufmarsch Moorsoldaten 1935
(Orig. Bild 10 bearbeitet)

Hinzu kamen noch der Schießplatz Meppen und die Gutsbetriebe der Friedrich-Krupp AG, die Torfwerke Griendsveen, Johannaveen (H. G. Drenth) und Annaveen (Klasmann Werke) in der heutigen Gemeinde Twist, das Heseper Torfwerk (Klasmann Werke), das Torfwerk der Gebrüder Brill in Fehndorf (heute Stadt Haren)  32  und die landwirtschaftlichen Betriebe in den Dörfern im damaligen Landkreis Meppen.  33 

Lembeck zitiert einen Bericht des ehemaligen Zwangsarbeiters Ludwik Walas. Die Transportumstände die der damals 17-jährige Ukrainer im März 1942 auf dem Weg nach Lingen erlebte, waren kaum besser als die von den Kriegsgefangenen geschilderten.  34 

Was Martin Koers in Bezug auf die Bentheimer Eisenbahn und die Zwangsarbeit festgestellt hat, dürft auch auf die in deren Verwaltung stehende Meppen-Haselünner-Eisenbahn zutreffen.  35 

Demnach war in geringem Umfang die Eisenbahnverwaltung selbst Arbeitgeber für Zwangsarbeiter, aber sie forderte darüber hinaus mehrfach solche für die Beseitigung von Kriegsschäden an, wie es auch die Deutsche Reichsbahn tat. Andreas Lembeck hat eine Statistik des Arbeitsamtes Nordhorn vom 31. Dezember 1943 veröffentlicht, die 10.837 ausländische Arbeitskräfte aufzählt.  36 

Damals gehörten zum Arbeitsamtsbezirk Nordhorn die Landkreise Grafschaft Bentheim, Lingen und Meppen. Auch wenn die Grafschafter Textilindustrie sicherlich der größte Arbeitgeber gewesen sein dürfte, hat wohl etwas weniger als ein Drittel dieser Menschen über den Bahnhof Meppen ihre Arbeitsstellen erreicht. Somit ist zu vermuten, dass mindestens 3.000 zur Arbeit in Deutschland gezwungene Zivilisten zu den rund 40.000 Kriegsgefangenen und Konzentrationslagerhäftlingen hinzuzurechnen sind, für die der Bahnhof in Meppen Durchgangsstation war. Hierin sind nicht die bereits erwähnten niederländischen Zwangsarbeiter erfasst, die 1944/1945 am Bau der Emsstellung mitwirkten, deren genaue Zahl mit Bezug auf den Bahnhof Meppen unbekannt ist.

Nicht erwähnt sind hier die jüdischen Emsländer. Diese wurden Ende 1941 und im folgenden Frühjahr mit Bussen und Lkw zu Sammelstellen in Osnabrück gebracht, von dort weiter über Bielefeld und später auch von Münster und nur in nachweislich einem Fall aus Lingen mit Zügen in Konzentrationslager deportiert.  37 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Bahnhof Meppen ein zentraler Umschlagplatz für Kriegsgefangene, Konzentrationslagerhäftlinge und Zwangsarbeiter war, der in seiner Bedeutung andere Stationen an der Emslandstrecke zwischen Rheine und Leer übertrifft. Deutlich mehr als 40.000 Menschen gelangten von hier aus in Gefangenenlager und zu Zwangsarbeitsstellen.