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Wohnhaus Familie Visser

Wohnhaus Fam. Visser
(Orig. Bild 19 bearbeitet)

Spuren von Nachbarn

In unmittelbarer Nachbarschaft des Bahnhofs Meppen finden sich mit den Stolpersteinen für Heinz Wertheimer und seine Frau Amalie auch Spuren jüdischen Lebens in Meppen. An der Stelle nämlich, an der später die neue Post gebaut wurde, hatte der aus Emden nach Meppen gezogene jüdische Kaufmann Isaak Visser ein repräsentatives Wohnhaus erreichtet, von dessen Terrasse aus man unmittelbar auf die Gleise des Meppener Bahnhofs schaute.

Isaak Visser, geboren 1857 in Emden, kam als Geschäftsführer in das Unternehmen der Witwe Amalie Alexander nach Meppen. Später heiratete er deren jüngste Tochter Rosalie. Als erfolgreicher Kaufmann erlangte Visser in Meppen hohes Ansehen.

Visser engagierte sich für das gesellschaftliche Leben in Meppen, indem er Vorsteher der Synagogengemeinde war und vom „Verein zur Wahrung und Förderung der wirtschaftlichen Interessen in Meppen“ zum Schriftführer gewählt wurde. Zeitzeugen beschrieben ihn als gebildeten und geschätzten Mitbürger.
Nach seinem Tod im Juli 1932 würdigte ihn eine örtliche Zeitung mit den Worten:

Ein aufrichtiger, beliebter und für alles verständnisvoller Mitbürger ist nicht mehr. Sein Andenken wird man in Ehren halten.

Beigesetzt wurde er auf dem jüdischen Friedhof in Meppen; sein Grabstein ist bis heute erhalten.

Isaak und Rosalie Visser

Isaak und Rosalie Visser

Bereits ein Jahr nach seinem Tod geriet das Geschäft der Familie unter die Boykottmaßnahmen der Nationalsozialisten. Dennoch führten seine Witwe und ihr Sohn Kurt das Unternehmen weiter. Rosalie Visser starb 1938 in Münster. Das Haus wurde dann an die Post verkauft und schon 1952 abgerissen.

Ihr Sohn Kurt Visser war ein in Meppen beliebter junger Mann und aktives Mitglied des SV Meppen. 1933 geriet der Verein durch den Deutschen Fußball-Bund und den Reichsausschuss für Leibesübungen unter Druck, jüdische Mitglieder auszuschließen. Kurt gelang nach dem Tod seiner Mutter aber mithilfe eines nichtjüdischen Vereinskameraden die Flucht über die Niederlande nach Palästina, wo er 1975 verstarb.

Seine Schwester Amalie heiratete den Rechtsanwalt Heinz Wertheimer aus Hannover. Das Ehepaar wurde 1941 von den Nationalsozialisten nach Riga deportiert und später in das Konzentrationslager Stutthof bei Danzig verschleppt, wo beide 1944 ermordet wurden. Ihrer Tochter Rose-Ruth gelang 1938 mit einem Kindertransport die Flucht nach England. Dort wurde sie von einem nichtjüdischen Ehepaar adoptiert.

Der Weg vom Bahnhofsgelände über die Herzogstraße zur Hafenstraße wurde in jüngster Vergangenheit der Familie zu Ehren Isaak-Visser-Weg genannt.

Die Geschichte der Familie Visser ist ein deutliches Exempel dafür, wie schnell die zivile Gesellschaft durch die nationalsozialistische Verirrung ihre Werte vergessen oder verändern konnte. Sie mag gerade heute ein warnendes Beispiel sein!

Wohnhaus Familie Visser

Wohnhaus Familie Visser mit Blick in die Bahnhofstraße
(Orig. Bild bearbeitet)