Studie - Teil 5
Bau der Emsstellung
Besondere Bedeutung hat der Bahnhof Meppen beim Einsatz von Gefangenen beim Bau der Emsstellung ab Anfang September 1944 bis Ende März 1945. Hier trafen niederländische Zwangsarbeiter ein, die westlich der Ems Verteidigungsanlagen errichten sollen, von denen noch Reste im Esterfelder Forst in Meppen zu sehen sind. Genaue Zahlen liegen nicht vor, aber die Bezirksregierung Osnabrück spricht in einer Bekanntmachung am 4. Dezember 1944 von 20.000 bis 25.000 Niederländern, die sie in ihrem Zuständigkeitsbereich einsetzen will. Untergebracht wurden diese in Reichsarbeitsdienstlagern und Schulen. 26
Der Arbeitskräftebedarf beim Stellungsbau war so groß, dass die Lager IX Versen und XII Dalum zu Außenlagern des Konzentrationslagers Neuengamme gemacht wurden. Am 16. November 1944 traf der erste Transport aus Neuengamme am Bahnhof Meppen ein. Häftling Morton Ruge berichtete darüber:
Vom Bahnhof Meppen gingen wir zu Fuß nach Versen und verirrten uns in der Stadt Meppen. Deswegen kann ich sagen, dass kaum jemand aus der Bevölkerung sagen kann, dass sie von unserer Existenz keine Ahnung hatten. Ein Teil der Bewohner folgte uns eine Zeitlang, einige gaben uns sogar etwas zum Essen, andere wiederum beschimpften uns.
Am 12. Dezember 1944 wurden aus dem Außenlager Versen des Konzentrationslagers Neuengamme 600 kranke Häftlinge abgezogen und durch 150 „arbeitsfähige“ ersetzt. Im Januar 1945 befinden sich 2.046 Häftlinge aus 23 Nationen im Lager Versen. Anfang Januar 1945 wird auch das Lager Dalum mit gut 500 Konzentrationslagerhäftlingen belegt. Die Mehrzahl der für Dalum bestimmten Gefangenen ist am Bahnhof in Lingen ausgeladen worden, doch scheint es auch Transporte über Meppen gegeben zu haben. Wegen der mörderischen Arbeits- und Lebensbedingungen wurden danach von Neuengamme per Bahn noch weitere „arbeitsfähige“ Häftlinge nach Versen und Dalum geschickt, „kranke“ auf demselben Weg zurück. Die Zahl der bis zur Räumung der Lager gestorbenen Häftlinge wird für Versen auf 566 und für Dalum auf circa 90 beziffert. 27
Bei der Auflösung der Lager im März 1945 wurden die Gefangenen und Konzentrationslagerhäftlinge auf den Straßen in Marsch gesetzt. Es gab nur einen Transport per Bahn ab Meppen: „Die kranken Häftlinge aus Meppen-Versen und Meppen-Dalum wurden hingegen per Zug am 25. März Richtung Bremen in das Revier des Außenlagers Bremen-Farge abtransportiert.“ 28 Dies geschah über die Strecke der MHE.
Dies alles hatte unter Meppenern einen tiefen Eindruck hinterlassen. Als am Dreifaltigkeitssonntag, dem 16. Juni 1946, eine Baracke als Notkirche für die Katholiken im Stadtteil Esterfeld durch Propst Carl Meyer geweiht wurde, bekam sie den Namen „St. Maria zum Frieden“.
Sicher hat der Propst als ehemaliger Gefangenenseelsorger in Hamburg an die endlosen Kolonnen von Kriegsgefangenen aus vielen europäischen Ländern gedacht, die vom Meppener Bahnhof über den Schullendamm und die Versener Straße in die Gefangenenlager zogen und von denen die meisten ihre Heimat nie wiedersahen.
So heißt es in der Geschichte der Kirchengemeinde St. Maria-zum-Frieden. 29